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26.08.2010

Ein neuer Job für alte Hasen

von Andreas Lutz

Sich erfolgreich um neue Stellen bewerben – das fällt vielen älteren Arbeitnehmern schwer. Auch, weil ihre schon leicht vergilbten Zeugnisse meist wenig über ihr aktuelles Können aussagen.

Wie bewerbe ich mich erfolgreich? Zu diesem Thema gibt es viele Ratgeber. Doch sie wenden sich fast alle an (Hoch-)Schulabgänger. Sucht man hingegen einen Ratgeber für berufserfahrene Fach- und Führungskräfte, dann lautet das Ergebnis weitgehend: Fehlanzeige. Nur wenige Ratgeber streifen ihre Situation. „Dabei ist die Ausgangslage von berufserfahrenen Stellensuchern und ‚Newcomern’ sehr verschieden“, betont Prof. Karl Müller-Siebers, Präsident der Fachhochschule für die Wirtschaft (FHDW) Hannover. Einem frischgebackenen Betriebswirt oder Informatiker stehen noch fast alle Wege offen. „Anders ist dies bei Stellensuchern, die schon zehn oder gar 20 Jahre Berufserfahrung haben. Bei ihnen sind die beruflichen Weichen gestellt.“ Dies schränkt ihr mögliches Arbeitsfeld ein.

Hinzu kommt: Während auf den Diplomen der frischgebackenen Hochschulabsolventen die Druckerschwärze oft noch feucht ist, sind die Zeugnisse ihrer älteren Berufskollegen meist schon vergilbt. „Sie sagen wenig über ihre aktuellen Fähigkeiten aus“, stellt der Personal- und Karriereberater Frank Adensam, Ludwigshafen, nüchtern fest. „Unter anderem, weil sie im Verlauf ihres Berufslebens oft in ganz neue Aufgabenfelder hineinwuchsen.“

Warnsignale wahrnehmen

Ein weiterer Unterschied: Für allein stehende Singles, die nach dem Studium den ersten Job suchen, ist es relativ egal, ob die Stellensuche sie nach Hamburg oder München verschlägt. Anders ist dies bei Berufserfahrenen mit Kind und Kegel. Sie müssen bei der Wahl des Arbeitsortes mehr bedenken. Trotzdem müssen gerade sie sich oft bundesweit bewerben, „denn je spezialisierter und qualifizierter ihre bisherigen Aufgaben waren, umso rarer sind die Jobs, die ihrem Profil entsprechen“, betont Adensam.

Deshalb sollten gerade ältere Arbeitnehmer genau darauf achten, wann der Zeitpunkt für das Entwickeln einer neuen beruflichen Perspektive naht. Diesen verpassen viele. Ein Grund hierfür ist: Ein Student, der seine Diplomarbeit schreibt, weiß genau: „In sechs Monaten habe ich mein Diplom. Also sollte ich allmählich Bewerbungsfotos machen.“ Solch harte Signale, dass die Zeit reif ist, sich neu zu orientieren, gibt es bei Berufstätigen oft nicht. „Meist sind die Signale eher schwach. Zum Beispiel: Der Chef gibt wichtige Aufgaben plötzlich einem Kollegen. Oder die versprochene Gehaltserhöhung bleibt aus“, erläutert Rainer Flake, Geschäftsführer der WSFB Beratergruppe Wiesbaden.

Gefahr nicht verdrängen

Fragt man ältere Arbeitslose, ob ihre Kündigung „überraschend“ kam, dann gestehen viele: „Die Entlassung war absehbar.“ Sie verdrängten die Bedrohung jedoch. Aus verständlichen Gründen, wie der Frankfurter Coach Dr. Kai Hoffmann betont: „Ältere Arbeitnehmer wissen meist: Wenn ich meine Stelle verliere, muss ich meine gesamte Lebensplanung überdenken.“ Deshalb lautet sein Tipp für Berufstätige: Höret die Signale statt die Augen zu verschließen. Denn Personalleiter sind Bewerbern, die noch eine Stelle haben, meist gewogener, als Bewerbern, die bereits das Kainsmal ‚arbeitslos’ ziert.“ Hinzu kommt: Je mehr Zeit zum Bewerben bleibt, umso größer ist die Chance, im Umkreis eine Stelle zu finden. Zudem agieren (Noch-)Jobinhaber selbstbewusster.

Ein Problem vieler älterer Stellensucher: Sie können ihre Kompetenz nur schwer belegen. Denn ihre 15 oder 20 Jahre alten Diplome sagen wenig über ihr aktuelles Können aus. „Und Arbeitszeugnisse beschreiben meist nur vage die ausgeübten Tätigkeiten“, betont Personalberater Adensam. Außerdem schenken viele Personaler ihnen wenig Vertrauen. Denn niemand weiß, ob der alte Arbeitgeber das Zeugnis so positiv formulierte, um die Abfindung zu sparen, oder weil der Bewerber wirklich spitze ist.

Erfahrungen analysieren

Hier helfen oft Beschreibungen, welche Probleme der Bewerber bei seinem alten Arbeitgeber löste. „Sind in ihnen kurz und prägnant die Aufgabenstellungen nebst Problemlöseschritten skizziert, macht dies die Kompetenz transparent“, betont Adensam. Insgesamt gilt: Von „alten Hasen“ erwarten Unternehmen aussagekräftigere Bewerbungen als von Berufsanfängern. Schreiben letztere in ihren Anschreiben „Mit Interesse las ich Ihre Anzeige“, um anschließend nochmals kurz ihren Lebenslauf zu schildern, wird ihnen dies verziehen. Anders ist dies bei Berufserfahrenen. Von ihnen erwarten die Betriebe präzise Aussagen darüber, warum sie sich bewerben und wertvolle Mitarbeiter wären.

Spezielle Kenntnisse ermitteln

Diese Fragen zu beantworten, fällt vielen berufserfahrenen Bewerbern schwer. Unter anderem, weil sie nicht wissen: Welche „Pfunde“ kann ich in die Waagschale werfen? Sie verweisen oft nur auf ihr fachliches Know-how und ihre Branchenkenntnis. „Unternehmen haben aber auch unterschiedliche Strukturen und Kulturen. Deshalb haben sie auch spezifische Probleme und Verfahren, diese zu lösen. Folglich brauchen sie auch unterschiedliche Mitarbeiter“, erklärt Adensam.

Ein Beispiel: Fach- und Führungskräfte in mittelständischen Familienbetrieben benötigen in der Regel eine breitere Qualifikation als Konzern-Mitarbeiter, denn in Klein- und Mittelbetrieben gibt es nicht so viele Spezialisten zum Delegieren von Aufgaben. Außerdem dürfen sich ihre Mitarbeiter nicht „zu schade“ sein, auch mal Briefe einzutüten. „Ein Stellensucher, der in einem eher kleinen Familienbetrieb arbeitet, kann just dies beim Bewerben in die Waagschale werfen – auch bei Großunternehmen, die ihre Organisation in kleinere, flexiblere Einheiten untergliedern möchten“, erläutert Karriereberater Adensam. Solche speziellen Fähigkeiten und Erfahrungen sollten ältere Arbeitsuchende bei sich ermitteln, damit sie sich gezielt bewerben können. Denn, dass sie berufserfahrene Experten sind, sollte sich auch in ihrem Vorgehen beim Bewerben widerspiegeln.

10 Bewerbungstipps für „alte Hasen“

Sich erfolgreich um neue Stellen bewerben – das fällt vielen älteren Arbeitnehmern schwer. Auch, weil ihre schon leicht vergilbten Zeugnisse meist wenig über ihr aktuelles Können aussagen.

 

  1. Warten Sie nicht die Kündigung ab. Entwerfen Sie bereits, wenn erste Signale auf eine Gefährdung Ihrer Stelle hinweisen, für sich eine neue berufliche Perspektive – sei’s bei Ihrem momentanen Arbeitgeber oder einem anderen Unternehmen.
  2. Analysieren Sie, welche Aufgaben und Probleme Sie bei Ihrer beruflichen Tätigkeit lösten und welche Fähigkeiten Sie dabei zeigten – vielleicht ergibt sich daraus sogar eine neue Perspektive bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber.
  3. Wenn nicht, bedenken Sie bei der Stellensuche: Dies ist zumindest ein Teilzeit-Job. Planen Sie für diesen „Job“ feste Arbeitszeiten ein und richten Sie sich zu Hause einen festen „Arbeitsplatz“ ein.
  4. Arbeitszeugnisse sagen meist wenig über die realen Kompetenzen von Menschen aus. Erstellen Sie deshalb ein Kompetenzprofil von sich, das auch Ihre persönlichen Eigenschaften berücksichtigt.
  5. Verfassen Sie „Projektbeschreibungen“ der zentralen Aufgaben, die Sie in Ihrem alten Job lösten, nach folgendem Schema: Was war die Aufgabenstellung? Welche Herausforderungen waren damit verbunden? Welche Maßnahmen wurden ergriffen? Was wurde erreicht? Welche Fähigkeiten habe ich dabei gezeigt?
  6. Ermitteln Sie, welches Struktur- und Kulturwissen Sie haben, das auch für andere Branchen interessant ist.
  7. Präsentieren Sie sich neuen Arbeitgebern nicht als Bittsteller, sondern als Problemlöser. Denken Sie daran, dass Sie ihnen etwas Besonderes zu bieten haben – nämlich Erfahrung.
  8. Reagieren Sie nicht nur auf Stellenanzeigen. Versenden Sie auch Initiativbewerbungen – jedoch erst nachdem Sie ermittelt haben, welches Wissen, welche Erfahrungen in dem Unternehmen gefragt sind.
  9. Umgehen Sie möglichst die Personalabteilungen. Richten Sie Ihre Bewerbungen an die Leiter der relevanten Fachabteilungen. Sie können meist besser einschätzen: Können wir den Bewerber aufgrund seiner speziellen Erfahrung gebrauchen?
  10. Sagen Sie nicht sofort Ja zum ersten Stellenangebot. Prüfen Sie vorab: Wie ist die Ertragslage des Unternehmens? Praktiziert es eine Hire-and-fire-Politik? Wie viel Zeit wird mir zugestanden, um mich zurechtzufinden?


Frank Adensam, Geschäftsführender Gesellschafter der ADENSAM Die Personalberater GmbH, Ludwigshafen

Der Autor

"Andreas Lutz ist Wirtschafts- und Wissenschaftsjournalist. Er ist auf Karriere- sowie (Weiter-)Bildungs- und Personalentwicklungsthemen spezialisiert. Er arbeitet für die PRofilBerater GmbH, Darmstadt. www.die-profilberater.de

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