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Ein Begriff macht Karriere

Dr. Denis Mourlane

07.11.2013 ·  Bis vor Kurzem war der Begriff Resilienz vor allem Physikern und Pädagogen bekannt. Doch allmählich entdecken auch die HR-Manager und Führungskräfte deutscher Unternehmen diese viele Jahrzehnte vergessene menschliche Fähigkeit wieder für sich.

Dr. Denis Mourlane

Dr. Denis Mourlane ist Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut und Systemischer Berater und Coach. Er berät mit seiner Frankfurter Unternehmensberatung seit über 14 Jahren internationale Konzerne in den Bereich Personal- und Organisationsentwicklung. Er ist einer der derzeit führenden europäischen Experten im Bereich Wirtschaftsresilienz. » http://www.mourlane.com

Der Begriff Resilienz stammt aus der Physik und beschreibt die Fähigkeit eines Materials, nach Druck und Belastungen wieder die ursprüngliche Form anzunehmen. Ein Schwamm oder ein Stück Gummi sind Beispiele für solche Materialien. Man kann auf ihnen herum trampeln, sie gegen die Wand werfen oder fest in der Hand zerdrücken: Sie werden dem Druck nachgeben und danach wieder aussehen, als wäre nichts geschehen. Kaum etwas kann diesen Gegenständen etwas anhaben.

Psychologische Resilienz

Psychologen haben sich diesen Begriff ausgeliehen, um Menschen zu beschreiben, die, wie der Schwamm, nach Rückschlägen im Leben, trotz schwieriger Entwicklungsbedingungen, in Drucksituationen oder in Phasen der Ungewissheit, zwar emotional reagieren, dann aber schnell wieder aufstehen und gelassen, optimistisch und zuversichtlich wieder ihre Ziele verfolgen. Die Wissenschaft bezeichnet diese Menschen als hoch-resilient. Niedrig-resilienten Menschen fällt dies deutlich schwerer und so verweilen diese manchmal jahrelang in einem Zustand der Hoffnungslosigkeit und des Pessimismus. Neben diesen Beobachtungen stellten sich die Forscher aber auch die Frage, wie es sein kann, dass Menschen trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen im Leben eine so unterschiedliche Resilienz entwickeln und kamen dabei sieben entscheidenden Faktoren auf die Spur.

Die sieben Resilienzfaktoren

Alle weltweit durchgeführten Studien zum Thema Resilienz konnten insbsondere sieben entscheidende Faktoren heraus arbeiten, die einen hoch-resilienten Menschen ausmachen. Diese Faktoren wurden zum ersten Mal von Dr. Karen Reivich und Dr. Andrew Shatté in ihrem amerikanischen Buch „The resilience factor“ definiert und können amit Hilfe des von ihnen entwickelten Fragebogens („Resilience Factor Inventory®“) gemessen werden. So kann, analog zum IQ, der RQ (Resilienzquotient) eines Menschen ermittelt werden. Hoch-resiliente Menschen zeichnen sich in besonderer Weise durch folgende Eigenschaften aus:

  1. Emotionssteuerung: Sie sind in der Lage Ihre Emotionen wahrzunehmen, deren Ursprung richtig zu deuten, um im Anschluss Einfluss entweder auf sich oder ihre Umwelt zu nehmen. Im Falle von negativen Emotionen wie z.B. Angst, bringen Sie sich so wieder in einen positiven Zustand, wie zum Beispiel Zuversicht. Bezogen auf ihr gesamtes Leben bedeutet dies, dass sie ganz intuitiv die Dinge tun, um glücklich zu sein. Denn auch Glück ist nichts anderes als eine Emotion.
  2. Impulskontrolle: Sie verstehen es ihre ersten Impulse zu steuern, lassen sich weniger ablenken als andere Menschen und bringen somit Dinge konsequent zu Ende. Sie sind also diszipliniert und damit zufriedener als Menschen, die ständig etwas anfangen aber nie zu Ende bringen.
  3. Kausalanalyse: Sie nehmen sich die Zeit, die Gründe für Rückschläge ausreichend zu analysieren, um nicht denselben Fehler immer wieder und wieder zu machen oder zu früh aufzugeben. Sie gehen also sorgsam mit ihren Ressourcen um und folgen nicht nur ihrem Bauchgefühl.
  4. Empathie: Sie besitzen den Willen und die Fähigkeit sich in andere Menschen hinein zu versetzen. Dies ermöglicht ihnen enge und unterstützende Kontakte zu Menschen aufzubauen, die ihnen selbst in schwierigen Phasen helfen oder die sie bei ihrer Zielerreichung unterstützen
  5. Realistischer Optimismus: Sie sehen das Glas Wasser grundsätzlich halbvoll sind aber keine übertriebenen Optimisten. Sie denken also positiv aber immer auf der Basis der Realität, die sie umgibt.
  6. Zielorientierung: Sie sind sich ihrer „selbst bewusst“ und verfolgen konsequent aber nicht getrieben ihre Ziele. Sie tun dies auf der Basis ihrer Stärken, die sie auch kennen, und relativ unabhängig vom Feedback anderer Menschen.
  7. Selbstwirksamkeitsüberzeugung: Sie sind fast in jeder Lebenslage davon überzeugt, dass sie das Heft ihres Lebens selbst in der Hand halten und Einfluss auf externe Umstände nehmen können. Ist dies nicht möglich, werden sie versuchen Einfluss auf sich selbst zu nehmen, um sich besser zu fühlen. Sie werden also zum Beispiel versuchen, und in der Regel auch schaffen, eine Sinnhaftigkeit auch in sehr schweren und nicht-beeinflussbaren Situation zu finden.

Die hoch-resiliente Persönlichkeit

Auch wenn der Begriff Resilienz heute in der Regel mit Stressresistenz oder Psychologischer Widerstandsfähigkeit übersetzt wird, lohnt es sich, insbesondere für Unternehmen, einmal zu schauen, wie hoch-resiliente Menschen eigentlich im normalen Leben sind und sich verhalten. Dies liegt darin begründet, dass Situationen in denen wir schwere Rückschläge erleiden glücklicherweise recht selten sind. Wissenschaftliche Untersuchungen geben hier einen interessanten Einblick in die Persönlichkeit und das Verhalten von hoch-resilienten Menschen.

So zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass sich hoch-resiliente Menschen auf den Big 5, den fünf anerkanntesten Persönlichkeitsdimensionen, durch niedrige Werte im Bereich Neurotizismus, also der Anfälligkeit für psychologische Störungen, und gleichzeitig hohen Werten in Bezug auf die Dimensionen Gewissenhaftigkeit, Offenheit für Erfahrungen sowie Verträglichkeit im Umgang mit Menschen auszeichnen. Sie haben in der Regel auch leicht erhöhte Werte im Bereich Extraversion. Darüber hinaus zeigt die Wissenschaft, dass hoch-resiliente Menschen gesünder sind und entsprechend über deutlich weniger psychosomatische Beschwerden und Burn-Out-Symptome berichten, als niedrig resiliente Menschen. Sie sind darüber hinaus beruflich erfolgreicher als wenig-resiliente Menschen. Dies zeigt sich insbesondere darin, dass Führungskräfte kulturübergreifend über einen höheren RQ als Mitarbeiter verfügen oder Vertriebsmitarbeiter mit einen hohen RQ mehr Umsatz und Abschlüsse generieren, als ihre weniger resilienten Kollegen.

Die Bedeutung für Wirtschaftsunternehmen

Fasst man all diese Beobachtungen zusammen, so zeigt sich, dass sich hinter dem Begriff Resilienz weit mehr versteckt, als „nur“ die Fähigkeit mit Rückschlägen umzugehen. Hoch-resiliente Menschen sind inhaltlich und emotional intelligente Menschen, die also sowohl durch ihren IQ als auch durch ihren EQ überzeugen. Sie sind also nichts anderes als das, wonach die Mehrzahl der Unternehmen und deren Personalverantwortliche händeringend suchen. Das besondere daran ist aber wiederum, dass diese Menschen ihren IQ und EQ auch noch durch eine hohe Zielorientierung, eine starke Selbstwirksamkeitsüberzeugung und viel Disziplin ergänzen, die sie nicht nur zu glücklichen und gesunden sondern in der Regel auch selbstbewussten und beruflich erfolgreichen Menschen macht. All dies ermöglicht es ihnen, gelassen aber auch konsequent die Veränderungen, die ihnen ihr Leben und ihre Arbeit stellen zu bewältigen. Unternehmen die dieses Potential erkennen, entsprechend ihre Augenmerk bei der Personalauswahl darauf richten oder die Resilienz ihrer Mitarbeiter mit Hilfe von Trainings und Coachings weiter entwickeln, müssen sich aber zweier Dinge bewusst sein. Einerseits, dass sie Mitarbeiter einstellen, die optimistisch auch mit schwierigen Situationen umgehen werden. Andererseits aber auch Mitarbeiter, mit viel Selbstbewusstsein, die dann nicht so leicht zu führen sind, wie wenig-resiliente Menschen, die z.B. sehr vom Lob oder den Anweisungen ihrer Vorgesetzten abhängig sind. Dies sollte sich jedes Unternehmen vor Augen führen, bevor sie das Thema Resilienz zu einem strategischen Personalthema machen. Denn die Auseinandersetzung mit dem Thema Resilienz, hat einen weitaus größeren Einfluss auf die Führungskultur eines Unternehmens, als es derzeit noch viele vermuten.

 

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