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13.06.2005

EAI - Enterprise Aplication Integration

Diese Integrationsplattform besteht im wesentlichen aus drei Ebenen: In der Transportebene werden die anfallenden Datenobjekte, wie Dateien, Messages, Programme etc. von der Datenquelle zur Datensenke transportiert. Hauptanforderung ist der sichere Transport über verschiedene Systemplattformen hinweg. Auch bei Systemstörungen, z.B. durch Ausfall der Datenleitungen oder Zielrechner, darf kein Datenobjekt verloren gehen.

Aufgabe der Konvertierungsebene ist, die in einem bestimmten Format mit einer für die Anwendung spezifischen Semantik vorhandenen Daten in ein anderes, für das Zielsystem notwendige Format unter Beibehaltung der Semantik zu konvertieren. Mit den bis heute üblichen Punkt-zu-Punkt Verbindungen erfolgt diese Arbeit für jede Verbindung von neuem. Daher sind für eine vollständige Integration n*(n-1)/2 Schnittstellen zu bedienen (n steht für die Anzahl der zu integrierenden Systeme)! Dies ist der Grund, weshalb oftmals die Folgekosten für die Integration von neuen Anwendungen oder die Änderung der Schnittstellen bestehender Anwendungen die eigentlichen Anschaffungskosten der Anwendung übersteigen. Die GartnerGroup schätzt, dass ca. 40% der IT-Kosten für Integrationskosten aufgewendet werden müssen. Für e-Business müssen zusätzlich noch die verschiedenen Informationskanäle wie Internet, WAP, SMS etc. bedient werden, so dass die Anzahl der Schnittstellen zusätzlich erhöht wird.

EAI löst dies durch den Übergang von Punkt-zu-Punkt Verbindungen und statischen Geschäftprozessen zu vernetzten hub-and-spoke Verbindungen, bei denen die benötigten Datenobjekte wiederverwendet werden können. Die Anzahl der Schnittstellen sowie die Komplexität verringert sich daher signifikant. Dies führt insbesondere zu einer Verkürzung der Entwicklungszeit für die Integration weiterer Anwendungen.

Durch die Ebene der Prozessplanung und -steuerung wird die Logik der Geschäftsprozesse in der Integrationsplattform abgebildet. In dieser Ebene laufen alle oben genannten Anforderungenan eine prozessorientierte Integrationsplattform zusammen. Diese Ebene stellt somit das eigentliche Herzstück einer EAI-Lösung dar.

Geschäftsprozesse bestehen bei einer EAI-Lösung aus wiederverwendbaren Komponenten, Anwendungen, Datenobjekten und Geschäftsregeln. Einmal definiert, sind diese Objekte in der Prozessplanung durch graphische Werkzeuge zu neuen Geschäftsprozessen zu kombinieren. Idealerweise kann dies vom Anwender selbst durchgeführt werden, indem die vorhandenen Objekte ausgewählt und miteinander verknüpft werden. Die Wiederverwendung wird i.A. durch Einführung von sogenannten generischen Businessobjekten oder Metaobjekten erreicht. So wird in der Regel das „reale“ Objekt Kunde in SAP anders definiert sein als z.B. in Siebel oder in Legacy-Anwendungen. Durch Einführung einer weiteren Abstraktionsebene der generischen Business- bzw. Metaobjekte enthält das generische Objekt Kunde alle Daten aller möglichen anzubindenden Anwendungen. Es muss lediglich ein spezifisches Mapping des Objektes Kunde der Anwendung A auf das Metaobjekt Kunde und von dort auf das Objekt Kunde der Anwendung B durchgeführt werden. Das Metaobjekt Kunde ist generisch und daher wiederverwendbar. Alle Geschäftsprozesse werden mit diesem generischen Objekt durchgeführt. Vervollständigt wird die Prozessplanung durch:

  • Scheduling, d.h. die zeitliche Steuerung des Prozessablaufs durch Angabe von festen Zeitpunkten oder bestimmten Ereignissen für den Datentransport n Monitoring, d.h. die Anzeige der definierten Prozesse mit ihrer aktuellen Statusinformation
  • Reporting, d.h. die Sammlung und Aufbereitung von Prozessdaten wie Durchsatzraten, Fehlerfälle, Zeitverbrauch etc.
  • Load-Balancing, d.h. automatischer Verteilung der Last bei Lastspitzen Die untergeordneten Ebenen der Konvertierung und des Transports werden für den Benutzertransparent gehalten, d.h. einmal definierte Datenobjekte können beliebig für die Prozessplanung verwendet werden.

Neuerdings wird als vierte Ebene die externe Integration von Anwendungen gesehen. Unter externer Integration wird z.B. die Anbindung von Lieferanten und Partnern innerhalb der Wertschöpfungskette (SCM) gesehen. Die EAI-Lösung wird also nicht nur auf das eigene Unternehmen mit den eigenen Systemen begrenzt betrachtet, sondern auch auf Lieferanten und Partner ausgedehnt.

EAI bildet somit die Grundlage für die Flexibilisierung der Geschäftsprozesse und die Reduktion der Schnittstellenanzahl. Wenn die Anwendungen beliebig verbunden und neue integriert werden können, ist ein Unternehmen in der Lage die Geschäftsprozesse relativ einfach und schnell an neue Herausforderungen anzupassen.

EAI unterscheidet sich deshalb von existierenden Middlewareprodukten, weil betriebswirtschaftliche Funktionen in der EAI-Lösung mitgeliefert werden. Darin ist die Fähigkeit zu ver-stehen, beim Transport eine Datentransformation anhand vordefinierter Regeln durchführen zu können. Damit wird ein Kundenobjekt sowohl von Anwendung A wie auch von Anwendung B verstanden. Deshalb gehört eine EAI-Software immer zur Familie der Middlewareprodukte und wird auch als „Solution-oriented Middleware“ bezeichnet, weil betriebswirt-schaftliche Funktionalitäten zur Datentransformation als built-in Funktionalität zur Verfügung stehen. Ob die Datentransformation mit Hilfe von XML-Dokumenten oder mehr herkömmlich stattfindet, ist eine Frage der technischen Umsetzung und steht daher erst an zweiter Stelle.

Zuerst muss die generelle Integrationsstrategie definiert werden, dann die Voraussetzungen, dann erfolgt die Betrachtung der möglichen Architekturen und erst dann die Betrachtung der technischen Lösungsmöglichkeit.

Datenintegration versus Prozessintegration

Auf Kongressen, Messen und Veranstaltungen wird in neuester Zeit von den EAI-Toolherstellern die Prozessintegration in den Vordergrund gestellt. Die klassische Datenintegration tritt in dieser Kommunikation immer mehr in den Hintergrund. Dies führt zu der Frage, ob in allen Unternehmen die verschiedensten Applikationen bereits miteinander über Schnittstellen integriert worden sind oder die verschiedenen EAI Tools hierfür nicht ausgelegt sind?

Die Prozessintegration hat das Ziel ein 'virtuelles Unternehmen' zu schaffen. Dies bedeutet, dass nicht nur das eigene Unternehmen betrachtet wird, sondern alle beteiligten Unternehmen und Organisationseinheiten innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette über das eigene Unternehmen hinaus, die einen Beitrag oder einen Einfluss auf das Kerngeschäft des eigenen Unternehmens haben. Hierzu gehören die Zulieferer, Kunden, Mitarbeiter und Partnerunternehmen.

Die Komplexität bei der Prozessintegration basiert auf den Geschäftspro-zessen, die in einem EAI Tool abgebildet werden sollen. Hierfür ist eine sehr genaue Beschreibung des Geschäftsprozesses in elektronischer Form notwendig. Meist sind Prozesse überhaupt nicht bekannt, dokumentiert oder in verschiedenster Form (Visio, Powerpoint, Word, ARIS), Qualität und Detaillierungsgrad dokumentiert. Selbst wenn eine Beschreibung vorliegt, muss die Aktualität der Dokumentation hinterfragt werden. Bei komplexen Prozessen sind in der Regel eine Vielzahl an Systemen und Personen involviert, wodurch die Abstimmung nicht vereinfacht wird. Von Vorteil bei einer Prozessintegration ist der Pareto Ansatz (mit 20% Aufwand 80% Nutzen erzielen). Zuerst sollten die 5 wichtigsten unternehmensübergreifenden Geschäftsprozesse identifiziert und dokumentiert werden. Was sich hier so einfach anhört, kann allerdings eine langwierige Aufgabe sein. Liegt erst einmal eine Prozessbeschreibung vor, können im nächsten Schritt die Systeme identifiziert werden, die für eine Automatisierung des Prozesses notwendig sind. Zum größten Teil werden dies vorhandene Applikationen sein, es kann sich hierbei aber auch herausstellen, dass noch notwendige Funktionalitäten von keiner bereits vorhandenen Applikation zur Verfügung gestellt werden. Eine entsprechende Erweiterung oder Einführung neuer Systeme kann somit erforderlich werden. Nachdem der Prozess beschrieben und die notwendigen Systeme identifi-ziert sind, kann der Prozess innerhalb des EAI Tools realisiert werden. Hierbei werden sukzessive die notwendigen Systeme integriert, so dass zum Schluss die Geschäftsprozesse innerhalb des EAI Tools ablaufen und überwacht und ausgewertet werden können. Ein virtuelles Unternehmen mit kollaborierten Prozessen ist somit realisiert. Ein wesentlicher Nutzen hierbei ist, dass eine aktive Statusverfolgung für die verschiedenen Prozesse stattfinden kann. Die einzelnen Vorgänge werden somit auch nachvollziehbar. Dieses Vorgehen zeigt, dass eine engere Zusammenarbeit mit den verschiedenen Partnern, Kunden, Mitarbeitern und Zulieferern erst auf Basis von Prozessen sinnvoll möglich ist.

Im Gegensatz zur Prozessintegration liegt bei der Datenintegration der Hauptfokus auf dem eigenen Unternehmen. Viele Unternehmen bes itzen keine Übersicht der bei Ihnen eingesetzten Systeme und der Schnittstellen zwischen diesen Systemen. Eine solche System-landschaftskarte ist der Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Datenintegration. Die Komplexität ist hierbei durch die Vielzahl an Sys temen mit unterschiedlichsten Datenmodellen gegeben.

Umfangreiche Datentransformationen (Mapping) zwischen den Datenmodellen sind in der Regel notwendig. Zusätzlich ist das Routing der Information zwischen den Systemen in Abhängigkeit von den Inhalten der Daten im Allgemeinen nicht trivial. Hinzu kommt eine heterogene Systemlandschaft, d.h. es werden verschiedenste Plattformen, auf denen die Applikationen arbeiten, eingesetzt. Eine Datenintegration ist bei vielen Unternehmen auch deshalb erforderlich, weil die Daten in unterschiedlichsten Datenbanken vorliegen, die mit-einander abgeglichen werden müssen oder voneinander Teildaten benötigen. Der Nutzen für den Kunden bei einer Datenintegration ist, dass ein wesentlich geringerer Aufwand für die Pflege der Vielzahl an Schnittstellen erforderlich ist. Die Kosten für die Integration eines Systems sind durch ein EAI Tool geringer als wenn die Systeme über die 'klassische Systemintegration' über klassische Schnittstellen integriert würden. Medienbrüche, die recht häufig bei einer herkömmlichen Integration entstehen, können hierdurch vermieden werden.

Die integrierten Systeme können nun im nächsten Schritt auch als Basis für eine Prozessintegration dienen. Die EAI Plattform ist hierdurch in dem Unternehmen aufgesetzt und somit die technischen Vorraussetzungen für eine Prozessintegration gegeben. Sollte zuerst eine Prozessintegration im Vordergrund stehen ist zu beachten, dass zuerst die EAI Plattform aufgesetzt werden muss. Für beide Szenarien, Prozessintegration und Datenintegration, bleibt das Problem bestehen, dass die Applikationen in der Regel unterschiedliche Datenmodelle besitzen.

Dies kann sich durch unterschiedliche Benennung von Attributen, Aufteilung (Vor- und Nachname als ein oder zwei Felder) bis hin zu unterschiedlicher Kodierung von Informationen bemerkbar m a-chen. Damit der maximale Nutzen aus einer EAI Lösung gezogen werden kann, ist es not-wendig generische Business Objekte zu verwenden. Hierunter ist zu verstehen, dass appli-kationsunabhänige Datenmodelle verwendet werden. Statt die Daten z.B. im Siebel- oder SAP-Kundenformat miteinander auszutauschen, wird ein generisches Objekt, das 'Kunden objekt' verwendet. Was sich auf dem ersten Blick recht einfach anhört ist bei genauerer Be-trachtung sehr vielschichtig. Es ist die Frage zu beantworten, wie Generische Business Ob-jekte definiert, verwaltet, erweitert werden und wie verhindert wird, dass diese Objekte zu riesigen 'Datenelefanten' werden, die nicht mehr handelbar sind. Gefragt ist hier eine skalierbare Lösung mit einem eindeutigen, strukturierten Vorgehensmodell. Der Nutzen durch den Einsatz von Generischen Business Objekten ist für ein Unternehmen sehr groß. Eine Applikation muss nur die Daten für ein Generisches Business Objekt bereitstellen, bzw. die für sie notwendigen Informationen aus dem Generischen Business Objekt extrahieren. Die Modellierung von Geschäftsprozessen erfolgt anschließend nur noch auf diesen Generischen Business Objekten, wodurch eine Wiederverwendbarkeit dieser Informationen gewährleistet wird - und dies spart bares Geld! Beliebige andere Applikationen können direkt integriert werden, da sie nur eine Schnittstelle zu diesem Generischen Objekt benötigen. Die Daten können somit für eine Vielzahl von Applikationen bzw. Prozessen weiterverwendet werden. Hierdurch wird auch vermieden, dass innerhalb des EAI Tools Punkt-zu-Punkt Verbindungen realisiert werden.



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