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Der kleine Charisma-Grundkurs

Markus Hornung

28.01.2016 ·  Wer richtige gute kommunikative Wirkung entfalten möchte muß sich an einen Begriff herantrauen, der der oftmals der Esotherik zugeschrieben wird: Charisma. Ein Eigenschaft die eher den Esotherikern zugeschrieben wird und weshalb kaum jemand den Wunsch nach (mehr) Charisma. Zu dem ist die Vorstellung verbreitet, dass Charisma angeboren und nicht erlernbar ist. Doch das ist kompletter blödsinn ...

Markus Hornung

Markus Hornung, Jahrgang 1966, lernte während eines USA-Aufenthaltes 1995 das Konzept der Emotionalen Intelligenz kennen und beschloss 1997, dem Schuldienst Lebwohl zu sagen und sich als Trainer und Berater selbstständig zu machen. Seither beschäftigt er sich ausschließlich mit dem Thema Werte und Emotionen. Er gründete mit zwei Partnerinnen 2003 das Beratungs- und Trainingsunternehmens EQ Dynamics in München und ist seither gefragter Experte und Redner zum Umgang mit Emotionen. » http://www.eqdynamics.de

Wir gehen in dem Bemühen um die richtige kommunikative Wirkung noch einen Schritt weiter und trauen uns an einen Begriff heran, von dem man ab und zu glauben könnte, dass zwar jeder die darunter zu verstehende Eigenschaft gerne haben möchte, dass diese selbst aber beinahe ehrenrührig ist. Kaum jemand traut sich, diesen Wunsch zuzugeben. So greift man nach einem Ausweg, indem behauptet wird, diese Eigenschaft wäre angeboren. Diejenigen, die sie tatsächlich haben, können so von sich behaupten, sie wären dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kinde, gewissermaßen schicksalshaft, fast gegen ihren eigenen Willen. Was natürlich kompletter Blödsinn ist. Und diejenigen, die sie nicht haben, können sich zurücklehnen und behaupten, es gäbe ja dann auch keine Möglichkeit, sie sich anzueignen.

Worum es geht? Es geht natürlich um Charisma, diese besondere, fast magische Form persönlicher Ausstrahlung, die gerne auch als das gewisse Etwas bezeichnet wird.

Übrigens wird aus meiner Sicht ähnlich unversöhnlich und sozusagen nur hinter vorgehaltener Hand mit zwei weiteren für den beruflichen Erfolg wichtigen Fähigkeiten umgegangen. Diese scheinen ebenfalls angeboren zu sein und sie greifen auf alle Prinzipien zurück, die wir hier beleuchten. Ihnen haftet ähnlich wie dem Charisma auch das Image an, dass sie angeboren wären und ein Mensch, der sie zu erlernen versuche, begebe sich in die Sphäre des Ruchlosen und Manipulativen. Diese Eigenschaften sind die Fähigkeiten zu führen und zu verkaufen.

Doch zurück zum Charisma. Ich bin der entschiedenen Meinung, dass diese besondere Ausstrahlung erlernbar ist und dass jeder charismatisch sein kann, der dies möchte. Dazu muss man sich allerdings zwei Begriffen widmen, die unter Psychologen und Kommunikationswissenschaftlern keinesfalls übereinstimmend definiert werden. Es handelt sich um die beiden Wirkungsfaktoren »Kongruenz« und »Authentizität«. Weil es zu jeweils beiden Begriffen keine einheitliche Definition gibt, biete ich Ihnen hier die Idee an, die ich in meinen Seminaren seit vielen Jahren vertrete und die schon vielen Menschen geholfen hat, an ihrer eigenen Wirkung und an ihrem Charisma zu feilen.

Die nun folgenden Betrachtungen stellen gewissermaßen auch schon eine Verbindung zum nächsten Kapitel her, in welchem wir uns sehr konkret über emotionale Wirkung und Selbstverantwortung unterhalten werden. Denn die Wirkung auf andere hat immer auch viel mit der Haltung zu sich selbst und dem Umgang mit sich selbst zu tun.

Charisma ist zuerst einmal etwas, das andere bei Ihnen wahrnehmen. Sie müssen schon ausgesprochen selbstbewusst sein, um sich selbst als charismatisch zu bezeichnen. Was nicht heißt, dass Sie das nicht dürfen. Sie müssen sich nur darüber im Klaren sein, dass diese Art der Selbstsicherheit bei vielen Menschen nicht besonders positiv ankommt. Was uns auch in wenigen Momenten zur Kehrseite der Medaille bringen wird.

Charisma ist eine andere Menschen stark berührende und überzeugende Ausstrahlung. Es ist wie eine Anziehungskraft, die Sie auf andere ausüben. Doch was macht Menschen anziehend? Einig sind sich die Psychologen darin, dass Charisma weniger mit blendendem Aussehen als vielmehr mit einer emotionalen Wirkung zu tun. Keine Frage, gutes Aussehen ist hilfreich und Studien zeigen, dass Menschen, die von anderen als schön empfunden werden, es im Leben meist leichter haben. Aber Schönheit ist keineswegs eine notwendige Bedingung für Charisma. Wäre dem so, dann hätten Persönlichkeiten wie der Dalai Lama, Mahatma Gandhi, Winston Churchill oder Adolf Hitler kein Charisma gehabt. Wer Woody Allen, der nach Aussage aller Frauen, die ihm schon einmal live begegnet sind, ein High-End-Charismatiker ist, für attraktiv hält … na ja. Erschreckt Sie übrigens Adolf Hitler in der Auflistung? Mich auch! Der wohl größte Verbrecher der Menschheitsgeschichte war zweifellos charismatisch. Was zeigt, dass sich der Begriff »Charisma« – ebenso übrigens wie der Begriff der »Emotionalen Intelligenz« – einer moralischen Bewertung und Einordnung vollkommen entzieht. Vielleicht ist das ja auch ein Grund, warum viele sich nicht trauen, zu sagen, dass sie charismatisch sein wollen.

Charisma ist also keine moralische, sondern eine emotionale Kategorie und nach allem, was wir bisher miteinander über Emotionen, Emotionssignale und Wahrnehmung entwickelt haben, verwundert es Sie auch nicht, dass es für diese emotionale Wirkung einige Voraussetzungen gibt. Welche wir uns nun etwas genauer anschauen.

Voraussetzung eins für Charisma ist Kongruenz

Unter Kongruenz (Deckungsgleichheit) verstehen wir die Übereinstimmung von Sprache, Stimme und Körpersprache als Wirkungsfaktoren. Wir hatten weiter oben bereits festgestellt, dass der kleine Jack ausgesprochen gut darin geschult ist, auf diese Übereinstimmung zu achten. Auch reagiert er ausgesprochen empfindlich, wenn er Widersprüche zwischen diesen Kommunikationskanälen wahrnimmt. Charismatische Menschen kommunizieren auf allen »sendenden« Kanälen (visuell und auditiv) deckungsgleich, das heißt, Stimme, Sprache und Körpersprache transportieren und unterstützen die gleiche Botschaft oder genauer: Alle Kanäle zeigen dieselbe Emotion. Es kommt zu keinen emotionalen oder inhaltlichen Widersprüchen. Unser immer anwesender stiller Beobachter, Jack, interpretiert diese Widerspruchsfreiheit als Übereinstimmung von Reden, Denken und Fühlen.

Voraussetzung zwei für Charisma ist Authentizität

Der Begriff »Authentizität« wird ab und zu ähnlich benutzt wie Kongruenz, geht aber in unserer Betrachtung darüber hinaus. Authentizität ist die Übereinstimmung zwischen Reden, Denken, Fühlen und Handeln. Ob die Übereinstimmung von Reden, Denken und Fühlen gegeben ist, überprüft Jack anhand der eben beschriebenen Kongruenz. Die Übereinstimmung zwischen dem, was gesagt wird und dem, was dann getan wird, kann man auch mit dem Wort Konsequenz bezeichnen. Auch hier hat Jack ein gutes und feinfühliges Radar, um Widersprüche wahrzunehmen. Charismatische Menschen handeln übereinstimmend mit dem, was sie sagen. Das, was sie sagen, entspricht dem, was sie denken und fühlen. Ihre Umwelt nimmt sie weitgehend widerspruchsfrei wahr. Es kommt auch hier zu keinen Widersprüchen in Kommunikation (Kongruenz) und Handeln (Authentizität).

Voraussetzung drei für Charisma ist Integrität

Auch der Begriff Integrität (wörtlich: Unversehrtheit) wird keineswegs einheitlich verwendet. Wir verstehen unter Integrität die Übereinstimmung des Handelns mit dem eigenen Wertesystem. Je nachdem, wie offensiv und klar – oder auch mutig – dieses vorher kommuniziert wurde, ist Jack auch hier zu Interpretationen in der Lage. Mit allen Vor- und Nachteilen. Wenn ich mein Wertesystem offen kommuniziere – wozu ich nur in der Lage bin, wenn ich es kenne! – mache ich mich selbstverständlich überprüfbar und damit eventuell auch angreifbar.

Charismatische Menschen verfügen über ein starkes und klar hierarchisches Wertesystem, bei dem die obersten Werte nicht – genauer gesagt niemals – zugunsten unterer Werte aufgegeben werden. Es kommt bei Ihnen zu keinen Widersprüchen auf der Werteebene. Sie sind integer.

Aus der Integrität folgt aus der Sicht der emotionalen Intelligenz emotionale Klarheit (denn Emotionen entstehen durch Beeinflussungen des Wertesystems). Gleichzeitig lässt sich Integrität als Voraussetzung für ein stabiles Selbstwertgefühl auffassen und dient damit als Grundlage eines selbstsicheren Handelns.

Voraussetzung vier für Charisma ist die Fähigkeit, mit Zurückweisungen umzugehen

Wir alle streben nach Anerkennung. Anerkennung zu bekommen ist ein starkes Grundmotiv aller Menschen. Daher haben wir ein natürliches Interesse, gemocht zu werden, gut anzukommen und möglichst viele Menschen für uns zu gewinnen. Uns unterscheidet im Allgemeinen aber die Intensität, mit welcher wir auf Anerkennung angewiesen sind und nach dieser streben. Wirklich charismatische Menschen können mit Zurückweisungen umgehen und sind nicht auf die Anerkennung aller ihrer Mitmenschen in jeder Lebenssituation angewiesen. Das bedeutet nicht, dass sie Menschen beliebig vor den Kopf stoßen, es bedeutet nur, dass sie nicht um jede Liebe und Anerkennung der anderen buhlen und dass sie ihr Selbstwertgefühl nicht davon abhängig machen, von wie vielen Zeitgenossen sie gemocht werden.

Voraussetzung fünf für Charisma ist eine spürbare Leidenschaft für ein Thema

Da es sich bei Charisma um eine emotionale Wirkung handelt, schlägt hier ein Resonanzprinzip zu: Um eine emotionale Wirkung zu erzeugen, muss ich emotional sein. Um Bewegung zu erzeugen, muss ich mich bewegen. Um als charismatisch wahrgenommen zu werden, muss ich wahrnehmbar leidenschaftlich sein und mich für eine Sache, Idee oder Haltung einsetzen. Selbstverständlich auf die Gefahr hin, gegen die Wand zu laufen. Sicherheitsfanatiker, Logikfetischisten und Langweiler sind nicht charismatisch. Sie mögen Vorzüge haben und kein Mensch muss in hohem Maße charismatisch sein! Aber wenn Sie als charismatischer Typ wahrgenommen werden wollen, dann sollten Sie sich mit dem Thema Leidenschaft beschäftigen. Zeigen Sie Leidenschaft! Ich bin überzeugt davon, dass jeder von uns mehrere Themen hat, bei denen er leidenschaftlich wird. Wir hatten diese bereits als Kernwerte oder Lebensthemen bezeichnet. Auch habe ich überhaupt nichts dagegen, wenn Sie diese Leidenschaft im stillen Kämmerlein pflegen. Dort sorgt sie ebenso für Bewegung. Aber bitte pflegen Sie sie! Und wenn Sie wollen und es für Sie attraktiv ist, dann pflegen Sie damit gleichzeitig Ihr Charisma.

Diese fünf Punkte biete ich also als Charismafaktoren an. Überprüfen Sie deren Erfüllung gerne – ohne moralische Bewertung – bei allen Menschen, die Sie als charismatisch wahrnehmen. Sie werden feststellen, dass allen Menschen, mit einer großen, vielleicht magischen Ausstrahlung diese fünf Faktoren gemeinsam sind.

Mit diesen fünf Faktoren wirken Sie charismatisch

  1. Kongruenz – Übereinstimmung der vier Kommunikationskanäle Stimme, Sprache und Körpersprache
  2. Authentizität – Übereinstimmung von Denken, Reden und Handeln
  3. Integrität – Treue zum eigenen Wertesystem
  4. Fähigkeit mit Zurückweisungen umzugehen
  5. Spürbare Leidenschaft für ein Thema

 

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