Der Weg ist niemals das Ziel BusinessVillage - Verlag für die Wirtschaft

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Der Weg ist niemals das Ziel

Michael Langheinrich

14.06.2017 ·  Mir begegnen immer wieder Menschen, die den jahrzehntealten Motivationsspruch »Der Weg ist das Ziel« tatsächlich für zutreffend und wahrhaftig halten. Wenn das stimmt, wäre man am Ziel wenn man auf dem Weg ist. Ein wenig kurz gedacht, oder?

Michael Langheinrich

Michael Langheinrich ist seit über zehn Jahren Coach, Trainer und Speaker. Er trainierte in dieser Zeit ganze Vertriebsmannschaften renommierter Unternehmen. In seinen Workshops musste er immer wieder feststellen, dass die meisten Menschen nicht am Fachlichen, sondern an fehlender Selbstregulierung und Willenskraft scheitern. Aus dieser Erkenntnis heraus setzte er sich vertieft mit diesem Thema auseinander und entdeckte, was erfolgreiche Menschen allen anderen voraus haben. Daraus entstand das Willenskraft-Prinzip.  » http://www.willenskraft-prinzip.de/

Die Interpretationsmöglichkeiten dieses Satzes sind ja auch fast grenzenlos und können sogar bei ein und derselben Person je nach Gemütslage unterschiedlich sein. Viele Vertreter der Fraktion »Der Weg ist das Ziel« meinen damit vielleicht einfach, dass derjenige, der sich auf dem Weg befindet, schon das Ziel erreicht hat, weil er in Hingabe dessen, was er gerade tut, schon seine Erfüllung erreicht hat. Und hier liegt genau der Knackpunkt.

Na klar ist es wichtig, sich beim Nachjagen von Zielen nicht permanent aufzureiben und das Leben jetzt und im Augenblick - eben auf dem Weg - zu schätzen. Manche Ziele entdecken wir auch erst auf einem Weg. Aber wie begrenzt wären unsere Möglichkeiten, wenn wir keine Ziele jenseits unseres Weges erfassen könnten?

Aber selbst wenn wir zwischendurch den Weg zum Ziel erklären, dürfen wir keinesfalls unsere grundlegende Zielverbundenheit vergessen. Es ist deshalb besser, den Weg auch einfach nur als Weg zum Ziel zu begreifen. Denn wir selbst dürfen ja in unserem Leben an Zielen mitarbeiten, die unseren eigenen (Lebens)Weg überdauern.

Lassen Sie mich deshalb darlegen, wie es in der Praxis tatsächlich aussieht. Denn dies habe ich in unzähligen Selbstversuchen sowie mit den Teilnehmenden meiner Seminare ausprobiert. Die übereinstimmenden Ergebnisse sind zwischenzeitlich auch sehr gut erforscht und wissenschaftlich belegt.

Fortschritte auf dem Weg

Was uns Menschen von je her anspornt ist es, persönliche Fortschritte zu machen. Fortschritte in der Selbstentwicklung, Fortschritte bei sportlichen Leistungen, Fortschritte im Beruf oder eben Fortschritte in Richtung irgendeines selbstgesteckten Ziels. Fortschritte auf einem Weg dorthin fühlen sich immer gut an. So gut, dass wir uns zwischenzeitlich ab und zu gerne mal selbst gratulieren würden.

Aber Vorsicht, denn Fortschritte spornen nicht immer unbedingt an, sondern wir benutzen sie nur allzu gerne als Ausrede, um die Zügel schleifen zu lassen. Es kommt sogar sehr häufig vor, dass Fortschritte in einer Sache uns zu Verhaltensweisen motivieren, unser Zielvorhaben zu sabotieren.

Bei einem sechsmonatigen Selbstversuch in einer Seminargruppe, wo es um Ernährung, Sport und Abnehmen ging, habe ich meine Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe wurde von mir zwischendurch per E-Mail daran erinnert, wie weit sie schon auf dem Weg zu ihrem Idealgewicht waren und was sie genau für Fortschritte gemacht haben. Die übrigen Teilnehmer nicht. Jedes mal nach einem weiteren Seminartag, bot ich ein kleines Dankeschön in Form eines Schokoriegels oder alternativ einem Stück Obst an. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmergruppe, von denen die ich zwischendurch an ihre Fortschritte erinnerte, entschieden sich für den Schokoriegel und von den übrigen Teilnehmern, der nicht informierte Gruppe, entschied sich die Mehrzahl für das Stück Obst.

Auch wenn es der Einstellung der meisten Menschen widerspricht, kann also die Ausrichtung auf den Fortschritt während eines Zielweges, unsere Zielgerichtetheit bremsen.

Freiwillige Selbstverpflichtung

Ein Ziel ist nach meinem Verständnis nichts anderes als eine freiwillige Selbstverpflichtung. Fortschritte auf dem Weg zum Erfolg können, so wie hier beschrieben, bremsen aber natürlich auch motivieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass Fortschritt an sich das Problem ist, sondern das was er in uns auslöst und bewirkt. Zumindest dann, wenn wir uns unserem Zufriedenheitsgefühl auf einem Weg zum Ziel hingeben, anstatt uns an weiter unserem Ziel verpflichtet zu fühlen.

Um durch Fortschritt die zukünftige Selbstregulation zu inspirieren, ist es deshalb wichtig, dass wir unser Handeln als Nachweis dafür ansehen, dass wir unserem Ziel verpflichtet sind und eben nicht nur dem Weg dorthin. Oder anders gesagt, müssen wir aus bereits Erreichtem (Fortschritt) schließen, dass wir noch mehr tun wollen, um es zu erreichen. Diese Perspektive entspricht aber nicht unseren üblichen Denkweisen, die naturgemäß wesentlich häufiger nach einen Grund suchen, unsere Anstrengungen einzustellen.

Wenn also Menschen verinnerlichen »Der Weg ist das Ziel« und damit ihren Fokus auf den Fortschritt und nicht die Zielgerichtetheit legen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf diesem Weg etwas tun, was sich mit dem Ziel nicht vereinbaren lässt.

Im Gegensatz dazu, geraten Menschen, die gefragt werden: »Wie verpflichtet fühlen Sie sich Ihrem Ziel?« nicht so sehr in Versuchung, sich kontraproduktiv zu verhalten.

TIPP: Verwechseln Sie nicht den Weg zum Ziel mit dem Ziel. Das Ziel ist noch nicht erreicht, wenn wir einen Fortschritt in die richtige Richtung gemacht haben. Achten Sie darauf, dass der Stolz auf einen Fortschritt uns das eigentliche Ziel nicht vergessen lässt.

Eine Besonderheit und Ausnahme ist das Bergsteigen. Reinhold Messner sagte einmal in einem Interview, dass es für ihn primär als Ziel nicht wichtig ist, den Gipfel zu erreichen. Der Gipfel sei für ihn im Grunde nur ein Umkehrpunkt. Wichtig ist für ihn, dass er in dieser Welt überlebt und heil zurückkommt. Und deshalb ist für ihn immer die gesunde Rückkehr das Ziel und niemals der Gipfel. Aber das ist ja dann auch wieder ein wichtiges Ziel, was eben nicht auf dem Weg des Auf- oder Abstiegs festgemacht werden kann, sondern erst erreicht ist, wenn ich wieder im sicheren Tal angekommen bin.

FAZIT: Im Falle eines uns wichtigen selbstdefinierten, klaren Ziels, gibt es daher immer nur die Wahl zwischen zwei Alternativen. Ja oder Nein. Aufstehen oder Liegenbleiben. Durchhalten oder Aufgeben. Sieg oder Niederlage. Das bedeutet dummerweise, dass eine dritte bequeme Alternative, die Sie aus dem Zweispalt herausführen würde, nicht zur Verfügung steht. Und das Dilemma ist, dass Menschen mit wenig Willenskraft sich immer dafür entscheiden, dass alles so bleibt wie es ist, nicht schlimmer, nicht anstrengender und nicht unangenehmer wird.

Bedauerlicherweise sind in solchen Fällen beide Alternativen unangenehm, aber Sie werden sich entscheiden müssen. Durchhalten bedeutet anstrengen, kämpfen und Grenzen überschreiten. Aufgeben bedeutet emotionale Niederlage, keine Zielbelohnung und im Extremfall möglicherweise beschädigter Selbstwert. Aus solch schwierigen Situationen werden synthetische Alternativen konstruiert, die es tatsächlich nicht gibt, wie zu Beispiel, der Weg ist das Ziel oder das Ziel ist im Weg.

Lassen Sie sich von solchen Sätzen nicht verwirren und Vertrauen Sie sich selbst. Denn das Vertrauen in Ihre Willenskraft ist das, was trägt, wenn alles andere wegfällt.

 

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