Das Klischee und seine Vorurteile BusinessVillage - Verlag für die Wirtschaft

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Das Klischee und seine Vorurteile

Michael Hoyer

26.04.2018 ·  Gerne würde ich mich davon freisprechen. Doch obwohl ich ausreichend Erfahrung habe und mich täglich in Empathie übe, stelle ich immer wieder fest, dass mich Vorurteile einholen. Wir wachsen damit auf und werden davon geprägt. Indem wir Einstellung und Haltungen übernehmen, ohne sie zu hinterfragen, schaffen wir Vor-Urteile. Die Arten des Urteils sind mannigfach: Wir urteilen, beurteilen verurteilen und wir urteilen über Menschen. Doch was können wir gegen die Vielzahl an Urteilen machen, wie kann man ihnen begegnen?

Michael Hoyer

Michael Hoyer ist Vordenker und Weit(er)denker. Seine Mission ist es, andere Menschen zum Nach- und Querdenken anzutreiben. Mit viel Durchblick und einem Gespür für die Situation setzt er immer wieder scheinbar Unmögliches in die Tat um. Er ist Erfolgstrainer, Honorar-Professor an der Hochschule Furtwangen, Fachautor und ein gefragter Redner. Seit mehr als 20 Jahren schult und coacht er Führungskräfte renommierter Unternehmen. » http://www.michael-hoyer.de

Fakt ist: Der Mensch hat Vor-Urteile. Wie ein Automatismus schleichen sie sich in unsere Köpfe und zeigen mit erhobenem Finger auf die beschränkte Anzahl der Schubladen, die in unserer mentalen Kommode enthalten sind. Vorurteilsfrei ist unter uns niemand – auch nicht der Chef. Auch im Business stellen sich Vorurteile als Hindernisse heraus. Sie verhindern eine wertfreie und konstruktive Kommunikation miteinander.

Doch wie kann man gegen den eigenen Automatismus des Schubladen-Denkens aktiv angehen?

Der erste Weg zur Veränderung ist der Weg der Selbsterkenntnis. Behaupten Sie nicht von sich vorurteilsfrei zu sein. Sie sind es wahrscheinlich nicht! Um mit Ihren eigenen Denkmustern zu arbeiten, lautet die erste Bedingung: Gestehen Sie sich also durchaus ein, dass Sie Vorurteile haben.

Woher kommen diese Denkmuster. Es ist nicht einfach sich selber einzugestehen, dass man in Schubladen denkt. Das zieht nämlich automatisch die Forderung nach Optimierung mit sich. Es ist hart, sich selbst mit kritischem Auge zu betrachten und festzustellen, welche Fehltritte man sich im Alltag so leistet. Vorurteilen liegen häufig Ängste zu Grunde, die uns in der Kommunikation blockieren und an Entwicklungsschritten hindern.

Daher gilt: Nur durch die direkte Konfrontation mit dem eigenen Verhalten, können Sie nachhaltige kommunikative Verbesserungen erzielen. Und zwar an sich selbst. Wenn es Ihnen einmal nicht gelingt, ohne Vorurteile zu handeln, versuchen Sie im Nachhinein die Situation zu reflektieren. Kritisieren Sie sich selbst und motivieren Sie sich so immer wieder von neuem, Ihre eigenen Denkmuster positiv zu verändern.

Wenn Sie Situation reflektieren, in der Sie in der Kommunikation von Vorurteilen gesteuert wurden, werden Sie feststellen, dass Sie reflexartig – ohne nachzudenken – gehandelt haben. Gönnen Sie sich daher den Raum und die Zeit, bedeutende Entscheidungen reflektiert zu treffen. So verhindern Sie voreilige Fehlschlüsse und können es schaffen, Vorurteile rechtzeitig aufzudecken.

Vorurteile kommen nicht von ungefähr. Der Prozess der Vorurteilsbildung findet meistens im Unterbewusstsein statt. Hinterfragen Sie sich selbst: Woher kommen Ihre Vorurteile? Die Grundsteine hierfür sind meist schon früh gelegt und über die Jahre gut genährt worden.

Vorurteile sind schädlich, auch wenn die Konsequenzen nicht sofort für jedermann sichtbar sind. Versuchen Sie sich bewusst zu machen, wo Ihre Denkweisen hinführen und welche Konsequenzen diese in der Kommunikation für Sie und Ihre Gesprächspartner haben. Decken Sie Ihre Vorurteile auf. Wie reagieren Sie z. B. auf Meinungsäußerungen von einer Person erhalten, die Sie achten und schätzen. Und wie reagieren Sie, wenn die gleiche Meinungsäußerung von einer Person kommt, die Sie nicht so gerne mögen. Vorurteilsfrei zu sein, bedeutet eine Sachlage, einen Inhalt wertfrei einzuschätzen. Je mehr Informationen Sie sich einholen, desto komplexer können Sie denken und die vorhandenen Informationen in ihre Kommunikation mit einbeziehen. So lassen Sie Vorurteilen keinen Platz.

Befassen Sie sich mit den Menschen in ihrer Umgebung. Überlegen Sie sich bewusst, welches Vorurteil Sie Ihrem Gegenüber zuschreiben und vergleichen Sie dann mit der Realität. Sie werden schnell feststellen, dass kaum eine Person einem Klischee tatsächlich in allen Facetten entspricht. Die Rollenverteilung unserer Gesellschaft drängt nahezu jeden Menschen in eine bestimmte kommunikative Rolle. Diese Rolle verfestigt sich Laufe unserer Entwicklung. Oft stecken wir also selbst in einem Klischee fest und erfüllen so automatisch ein Vorurteil ohne es zu wollen. Wenn Sie es schaffen, dies zu erkennen und die eigenen Vorurteile zu besiegen, ermöglichen Sie es feste Rollenbilder zu lösen.

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