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Commitment - Die Gefahr des entschlossenen Jein

Jürgen Balhuber

30.04.2020 ·  Commitment ist wünschenswert. Überall brauchen wir Menschen, die Vorstellungen und Ziele mittragen und sich engagiert dafür einsetzen, sie zu erreichen. Doch wer aufmerksam sein Umfeld beobachtet. wird feststellen, dass viele Ansagen nur Lippenbekenntnisse sind. Doch wie kommen wir vom Lippenbekennntnis zum Commitment. Was bedeutet das bspw. für Führungskräfte und Mitarbeiter? Antworten liefert Jürgen Balhuber.

Jürgen Balhuber

Jürgen Balhuber hat eine Mission: Inspirierende Führung für Menschen in Führungsverantwortung. Seit mehr als 23 Jahren ist er Trainer, Mentor, Speaker und hat umfangreiche Projekterfahrung in Konzernen und mittelständischen Unternehmen. Neben eigenen Workshops zur Selbstentwicklung begleitet er Führungskräfte im Kontext von Heinz Kaegis „moving leaders from hard work to heart work“, um Erfolg und Erfüllung zu vereinen. » http://www.juergen-balhuber.de

Im Kontext Führung ist Commitment natürlich wünschenswert. Jedes Unternehmen, jede Abteilung braucht Mitarbeiter, die die Unternehmensziele und Visionen wirklich mittragen und sich engagiert einsetzen, um sie zu erreichen.

Schauen wir uns mal an, was passiert, wenn jemand nicht zu hundert Prozent Ja sagt, sondern, sagen wir, nur zu siebzig Prozent von einer Sache überzeugt ist. Das bedeutet, dass er innerlich zu dreißig Prozent dagegen ist, also Nein sagt.

Stell dir dazu einmal einen Wagen vor. Auf der einen Seite sind siebzig Pferde (oder 70 PS) angespannt, die den Wagen nach links ziehen. Und auf der anderen Seite ziehen dreißig Pferde nach rechts. Der Wagen wird nun noch (weil ja beide Kräfte wirken) mit 70 PS minus 30 PS nach links bewegt. Also bleiben als effektive Kraft, die den Wagen bewegt, nur noch 40 PS. Wie wahrscheinlich ist es, dass jemand ein Ziel erreicht, wenn er es mit so reduzierter Kraft ansteuert? Anders gefragt: Würdest du bei einem Piloten einsteigen, der dir vor dem Flug sagt, dass er leider nur mit vierzig Prozent der Maschinenkraft starten kann – gegen den Wind, wohlgemerkt?

Hast du Zweifel, ob das Commitment deiner Mitarbeiter groß genug ist? Ich kann dir nur raten, dem nachzugehen. Fragen, die dir dabei helfen können, sind:

  • Zwingt beziehungsweise drängt die Kultur in deinem Unternehmen andere zu einem Ja? Ein solches Ja bleibt meist halbherzig.
  • Gestattest du bei einem halbherzigen Ja, dass der betreffende Mitarbeiter offen nach den Gründen suchen kann, die seinem vollen Commitment entgegenstehen? Ermöglichst du ihm, dass er seine Zweifel und die Hindernisse integriert, damit er zu einem hundertprozentigen Ja oder hundertprozentigen Nein finden kann? Nimmst du dir die Zeit und den Raum, der dafür nötig ist?
  • Bindest du deine Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse ein, damit sie die Entscheidungen zu hundert Prozent mittragen oder zumindest nachvollziehen können?

Wie kannst du Commitment erreichen? Was brauchst du; was kannst du tun?

  • Du brauchst die mentale Haltung, dass du Commitment zu hundert Prozent anstrebst und bereit bist, die Voraussetzungen für echtes Commitment zu schaffen. Du solltest bereit und offen sein, auch andere Meinungen anzuhören, um diese zu integrieren und Lösungen zu finden, die alle einbeziehen.
  • Du solltest Methoden nutzen, die die Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse einbeziehen. Gestalte Entscheidungsprozesse in deinem Unternehmensbereich transparent, damit andere mitgehen und sich einbringen können.
  • Du solltest stichhaltige Gründe finden und benennen, warum du etwas anstrebst. So wirst du dir noch bewusster darüber, was hinter deiner Entscheidung steht – und das steigert die Intensität, mit der du dein Ziel erreichen willst, kurz: dein Commitment.
  • Verschaffe dir Klarheit darüber, ob es ums Wollen oder ums Müssen geht: Stehen hinter einer Entscheidung Gründe, die ein »Ich muss« generieren, oder solche, die ein »Ich will« nach sich ziehen? »Ich muss« weist auf Druck von außen; »Ich will« dagegen kommt von innen und bedeutet entsprechend Commitment.

Eine Anmerkung dazu: Wenn ich genau überlege, geht es meist um das Wollen, auch wenn mir das oft nicht so bewusst ist. Es gibt nämlich nur sehr wenige Dinge, die ich wirklich muss.

Überdenke, ob deine Entscheidungen und deren Folgen zu den Werten der Menschen und des Unternehmens passen. Im Zweifelsfall siegen immer die Werte, denn deine Mitarbeiter bringen ihre Werte immer in irgendeiner Form ein. Die Frage ist, ob diese klar und transparent sind oder ob sie dir verborgen bleiben und daher für dich unklar und diffus sind.

Nicht zuletzt ist eine Voraussetzung für das Commitment deiner Mitarbeiter, dass du ihnen dein hundertprozentiges Ja vorlebst, denn Commitment kann nur funktionieren, wenn es für alle gilt.

Commitment erlernen und fördern

Wie kannst du Commitment etablieren und trainieren? Dazu hier ein paar Ideen:

1. Zuverlässigkeit gegenüber anderen

Halte deine Zusagen anderen gegenüber unbedingt ein – kleine wie große. Wenn du sagst: »Ich ruf dich an«, »Ich gebe dir Bescheid«, »Ich kümmere mich darum«, »Ich bringe dir das mit«, dann sollte genau das auch geschehen. Dadurch erhöhst du deine Glaubwürdigkeit und wirst entsprechend vertrauenswürdiger. Nicht zuletzt ist es ein Zeichen der Wertschätzung anderen gegenüber, wenn du deine Zusagen einlöst.

2. Zuverlässigkeit sich selbst gegenüber

Halte auch Zusagen gegenüber dir selbst ein. Nimm dir kleine Dinge für den Tag vor und halte sie ein. Zum Beispiel: Heute gehe ich nur Treppen, heute mach ich einen 45-Minuten-Spaziergang, heute räume ich die Garage auf. Das stärkt deine Glaubwürdigkeit für dich selbst, dein Vertrauen in dich selbst – Selbstvertrauen entsteht. Es ist ein Zeichen der Wertschätzung für dich selbst und erhöht dein Selbstwertgefühl.

3. Zu Entscheidungen stehen

Stell dich zu hundert Prozent hinter deine Entscheidungen. Das bedeutet auch,

  • dass du die Konsequenzen mitträgst, wenn es anspruchsvoll wird, weil Gegenwind auftaucht,
  • dass du deine Entscheidungen verteidigst und dich schützend vor andere stellst, wenn du durch deine Position dazu in der Lage bist,
  • dass du Hindernisse meisterst, statt bei der ersten Schwierigkeit sofort einzuknicken; dass du also die Energie auf Lösungen richtest und weniger auf die Folgen und Ursachen von Problemen.

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