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02.08.2006

Bilderwelten in den Medien – Objektivität der Realität?

von Albert Metzler

Kein Mensch kann sich auch nur ansatzweise vorstellen, was auf unserer Welt – und sei es auch nur an einem einzigen Tag – alles geschieht. Dennoch bestimmt das aktuelle Tagesgeschehen immer auch unsere persönliche Realität. Was wir selbst über das Geschehen der Welt wissen, erfahren wir größtenteils über die Medien, die uns über den aktuellen Stand der Dinge informieren. Wir schauen uns also eine Nachrichtensendung von 15 oder 30 Minuten an oder blicken in eine Zeitung und glauben anschließend, dass wir über die Realität der Welt auf dem Laufenden sind. Doch wir alle leben in einer Welt, in der sich verschiedene Realitäten überlagern und in der die Informationen, mit denen wir uns versorgen lassen, von anderen für uns ausgewählt werden. Dies ist vielleicht eine der wenigen Tatsachen, deren wir uns sicher sein können.

Viele Menschen betrachten die Dinge mit einem gewissen und durchaus gesunden Argwohn. Sie sagen sich: Ich glaube nur das, was ich sehe. Doch was wir zu sehen bekommen, wird meist von anderen für uns aufbereitet. Selbst der kritische Mensch muss sich also damit zufrieden geben, das zu glauben, was andere für uns gesehen und für uns als Bild eingefangen haben. Und was uns die Fernsehbilder oder Fotos in Zeitungen zeigen, vermittelt immer eine besondere „Objektivität“, es erscheint real. Der Wahrheitsgehalt von Bildern wird selten hinterfragt, sie sind für uns ein überaus glaubwürdiges Abbild der Wirklichkeit.

Allerdings sind Bilderwelten in den Medien zum großen Teil inszenierte Welten. Aufgrund der Masse der Ereignisse wird immer eine Auswahl vorgenommen. Und sobald ein Bild ausgewählt wird, gibt es zugleich auch viele andere, die eben nicht ausgewählt wurden. Somit entsteht letztlich eine selektierte Realität. Auch sind es vor allem Ereignisse mit hohem Nachrichtenwert, die uns als Betrachter gezeigt werden. Längst nicht jedes Ereignis ist für sich eine Sensation, also wird es entsprechend in Szene gesetzt – und wieder haben wir es mit einer inszenierten Realität zu tun. Oft sind es Katastrophen und schreckliche Ereignisse, die uns in ihren Bann ziehen und denen wir besondere Aufmerksamkeit und somit auch unsere Energie schenken. Die Aufmerksamkeit derjenigen, die für uns die Auswahl vornehmen, fällt in erster Linie und sogar zwangläufig auf medientaugliche und also auf negative Nachrichten bzw. „Schlag“-Zeilen. Doch ist das alles dann tatsächlich noch immer die eine „objektive“ Realität?

Das wichtigste Medium des Menschen im Umgang mit der Realität und mit sich selbst ist und bleibt das Fühlen und Denken. Wir sehen die Welt daher nicht wie sie ist, sondern eben auch so, wie wir selber sind. Selbst auf die objektivsten Abbilder können wir uns allein nicht verlassen. Die eine universelle Realität wird es niemals geben. Zur Realität wird immer das Bild, das sich jeder Einzelne durch das Fühlen und Denken in seinem Geist zusammensetzt. Und diese Realität kann jeder Mensch selbst beeinflussen. Hier besteht die Möglichkeit, die Auswahl und ihre Alternativen selbst und unabhängig von solchen Realitäten zu treffen, die andere für uns konstruiert haben. Damit eröffnet sich eine neue Welt, die sich in vielerlei Hinsicht von den Medienrealitäten unterscheidet.

Wir leben heute in einer von Bildern geprägten Welt. Bilder verfügen über die spezielle Eigenschaft, in uns Emotionen auszulösen. Und dadurch wird unsere Wahrnehmung, also auch unser Denken und unsere individuelle Imaginationsfähigkeit, beeinflusst. Wir glauben, was wir sehen. Doch können wir tatsächlich und ohne Vorbehalte glauben, was wir zu sehen bekommen? Unser gesamtes Denken kann sich verändern, wenn wir ein Bewusstsein für Realitäten entwickeln, die ebenfalls existieren, die wir jedoch oft nicht zu sehen und auch nicht von den Medien geliefert bekommen.

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