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Besser kommunizieren - letztlich entscheiden die Gefühle

Markus Fischer

06.02.2020 ·  Oft reicht ein falsches Wort, das das Fass zum Überlaufen bringt. Zornesröte steigt ins Gesicht und im Nullkommanichts beginnt der verbale Schlagabtausch - ein hartes Wort gibt das andere. Wie können wir aber lernen, unsere Gefühle konstruktiv auszudrücken, besser zuzuhören oder empathischer auf unser Gegenüber einzugehen? Leider helfen die weit verbreiteten Verhaltenstipps für gute Kommunikation hier kaum weiter. Denn der Glaube, alles steuern zu können, ist mehr als naiv. Einen vielversprechenden Ansatz liefert die neue gewaltfreie Kommunikation, wie Markus Fischer zeigt.

Markus Fischer

Markus Fischer, Dipl. Volkswirt, unterstützt seit über 20 Jahren die Klärung spannungsgeladener Beziehungen und weiß von sich selbst, dass Konflikte selten willkommen sind. Als Pionier der Gewaltfreien Kommunikation in Deutschland ist er ein kritischer Denker geblieben. Heute begleitet er den Kulturwandel in Unternehmen nach dem Grundsatz: Freiheit gibt es nur mit Verantwortung.  » http://kultur-wandeln.de

Ob wir wollen oder nicht - Gefühle entstehen einfach so

Wenn wir nicht gelernt haben, bspw. mit unserem Ärger sinnvoll umzugehen, werden wir in Gesprächen diesen entweder unterdrücken (was jeder merkt) oder anderweitig destruktiv ausagieren. Wenn unser Gegenüber mit Gefühlen auch nicht besser umgehen kann, ist der Konflikt vorprogrammiert. Wir können uns aber auch nicht einfach vornehmen, uns nicht mehr zu ärgern. Aber das heißt nicht, dass wir unseren Emotionen hilflos ausgeliefert sind. Wir können unsere Gefühle verändern, wir müssen nur an der richtigen Stelle ansetzen.

Selbstreflexion hilft Gefühle zu verstehen

Wenn wir lernen wollen, besser zu kommunizieren, müssen wir lernen, konstruktiv mit Gefühlen umzugehen – unseren eigenen und den Gefühlen unserer Mitmenschen. Wir können unsere Gefühle auch verändern. Dafür müssen wir ihre Entstehung besser verstehen und an den Ursachen der Emotionen arbeiten. Diese Ursachen liegen in unserer Lebensgeschichte, genauer in unserer Kindheit. Die Art, wie in unserer Herkunftsfamilie mit Gefühlen wie Wut, Scham, Frust oder Traurigkeit umgegangen wurde, prägt unseren Umgang mit den eigenen, und den Gefühlen unseres (Gesprächs-)Partners. Wenn wir als Kind bestraft wurden, wenn wir ärgerlich wurden, lernen wir nicht, weniger ärgerlich zu werden. Wir lernen vielmehr, unseren Ärger zu verstecken oder anderweitig auszuagieren. So entwickeln wir bestimmte Verhaltens- und Beziehungsmuster, vor allem um die “gefährlichen” Gefühle, für die wir bestraft wurden, zu vermeiden. Diese emotionalen Muster steuern dann auch als Erwachsene unser Verhalten und unsere Kommunikation.

Durch Bewusstheit verändern sich die Gefühle

Welche Gefühle waren in der Herkunftsfamilie willkommen und welche wurden ignoriert oder sogar bestraft? Mit welchen Gefühlen konnten die eigenen Eltern nicht gut umgehen? Welche Gefühle waren übermäßig präsent? Kinder übernehmen oft unbewusst die Verantwortung für die Gefühle ihrer Eltern und geben sich die “Schuld”, wenn es den Eltern nicht gut geht. Diese unbewussten “Gefühlsregeln” sind es, die wir auch als Erwachsene noch ausleben. Sie verhindern, dass wir besser zuhören, empathischer reagieren oder auf Kritik sachlich reagieren können. Der Schlüssel für die Veränderung dieser unbewussten Muster ist Bewusstheit. Wir können bewusst untersuchen, welche Gefühlsmuster wir in der Kindheit entwickelt haben. Das ist der erste Schritt, um für diese Gefühle die Verantwortung zu übernehmen. Und erst, wenn wir die Verantwortung übernehmen, können wir unsere emotionale Reaktion verändern.

Gefühle sind die Kinder der Bedürfnisse

Mit dieser Beschreibung betont der Psychologe Marshall Rosenberg die enge Verknüpfung von Gefühlen mit menschlichen Bedürfnissen. Gefühle sind die Signale unseres Organismus, dass er etwas braucht, um gut leben zu können – körperlich, seelisch oder geistig. Hunger zeigt, dass wir Nahrung brauchen und Einsamkeit entsteht, wenn wir Gemeinschaft vermissen. Die Verknüpfung von Gefühlen und Bedürfnissen ist essenziell für die emotionale Weiterentwicklung, denn sie ist der Schlüssel für eine erwachsene Selbstverantwortung. Als Kind sind wir fast vollständig auf die Versorgung durch die Umwelt angewiesen. Wenn unsere kindlichen Bedürfnisse ignoriert oder verletzt werden, können wir das nur aushalten und versuchen, damit zu (über-)leben.

Besser kommunizieren heißt, Verantwortung übernehmen

Als Erwachsene können wir lernen, für unsere Gefühle und Bedürfnisse Verantwortung zu übernehmen. Auch wenn Gefühle unbewusst und spontan entstehen, können wir durch bewusste Selbstreflexion lernen, dass die Ursache unserer Gefühle in den eigenen Bedürfnissen liegt. Wenn wir uns in einem Gespräch “nicht mehr im Griff haben”, über die Maßen verletzt oder ohnmächtig fühlen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich hier verletzte Bedürfnisse aus der Kindheit zurückmelden. Aber anders als in der Kindheit können wir als Erwachsene für unsere Bedürfnisse selbst sorgen. Der Weg dahin ist ein Prozess der Bewusstwerdung, der vermutlich nie endet – wer kann schon behaupten, sich selbst wirklich ganz zu verstehen?

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